Sehnsucht nach Erdbeeren – Lesung im Metropol Kino Neuwied am 08.04.2018


Eintauchen in eine fremde Welt in die Achterbahn des Lebens. So lebendig geschrieben und gelesen, dass der Zuhörer einfach nur gefangen ist. Und selbst die schlimmsten erlebten Täler werden vom Autor Alfred Meyer mit seiner eigenen Art von Humor und Selbstironie gewürzt, so dass sie lebhaft aber erträglich bleiben. Jede Minute war spannend. Die Achterbahn des Lebens mit unstillbarer Sehnsucht. Die Erdbeere als Hoffnungsträger: rot, saftig und süß. Aber leider nicht immer verfügbar. Alfred Meyer erzählt in seinem Märchen von seiner Essstörung, gepaart mit Depression und Burnout. Er zeigt den Teufelskreis auf, den diese Erkrankung mit sich führt und zeigt doch, dass es immer einen Weg hinaus gibt.


Ich habe schon viele Bioraphien und Erfahrungsberichte gelesen. Aber dieser hier ist anders. Schonungslos beschreibt Alfred Meyer sein Essverhalten und die Depression. Man kann die Situation bildlich vor sich sehen. Aber es ist nicht der Verzweifelte, der das schreibt, sondern der starke Alfred Meyer, der seinen Weg gefunden hat und den Optimismus hat, dass die Achterbahn des Lebens in der Höhe endet und es Erdbeeren gibt. Das erinnert mich an die Lesung von Beatrix Berger und ihrem Leitspruch von Oscar Wilde: „Am Ende wird alles gut, und wenn es nicht gut ist, dann ist das nicht das Ende.“
Sein Werk ist persönlich und ist gleichzeitig eine Wanderung durch Neuwieds Straßen und Gegenden.

Verleger Fabian Sachs und Autor Alfred Meyer


Obwohl Alfred Meyer jetzt in Bad Salzig lebt, ist er immer noch verbunden mit Neuwied. Gerade ist er dabei zusammen mit Jens Arbeiter eine Selbsthilfegruppe in Bezug auf Märchen und der Hilfe durch diese aufzubauen. Diese Selbsthilfegruppe findet jeden 2. Und 4 Donnerstag im Monat statt. Das erste Mal am 26. April um 18 Uhr im Stadtteilbüro Rheintalweg 14 . Wie Alfred Meyer ausführt, Märchen können einem helfen, sich selbst zu heilen. Dadurch dass es „nur“ ein Märchen ist, begibt man sich mit einer gewissen Distanz zu diesem und nach und nach wird es persönlich und man lernt viel über sich selbst.
Erstaunt hat mich, wie viele Leute bei der Lesung (für ihn) dabei waren. Zeigt es doch, dass sein Weg Vorbild und ansteckend sein kann. Gut, dass der Verleger Fabian Sachs ihn daran gehindert hat, sein Buch zu vernichten. In der nach der Lesung anschließenden Fragestunde zeigte sich, dass Alfred Meyers Werk vielen Betroffenen, bzw. Angehörigen Mut und Hoffnung macht.
Freuen wir uns auf die nächste Erdbeersaison: rot, süß und saftig – und genießen unser Leben.
Wer mehr davon will, der holt sich das Buch und/oder kommt zu der neuen „Märchen“-Selbsthilfegruppe.

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